31. HIV und Lungenerkrankungen
HIV-assoziierter pulmonaler Hypertonus ← vorheriges Kapitel nächstes Kapitel → HIV und Rheumatische Erkrankungen
Sven Philip Aries, Bernhard Schaaf
Das Spektrum der Lungenerkrankungen bei HIV-Patienten umfasst HIV-typische Komplikationen wie Tuberkulose, bakterielle Pneumonien, Lymphome und den pulmonalen Hypertonus, darüber hinaus aber auch pulmonale Jedermann-Probleme wie akute Bronchitis, Asthma, COPD und Bronchialkarzinome (Tabelle 1). Klassische Erkrankungen wie die PCP sind mit ART und Prophylaxen seltener geworden - die pulmonal bedingte Mortalität ist daher dramatisch gefallen (Grubb 2006). Die banale Bronchitis ist zwar das häufigste pulmonale Problem, insbesondere bei fortgeschrittenem Immundefekt müssen jedoch viele Differentialdiagnosen bedacht werden. Anamnestische und klinische Hinweise sind oft wegweisend.
Tabelle 1: Pulmonale Komplikationen bei Patienten mit HIV-Infektion
Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Differentialdiagnosen bei respiratorischen Beschwerden. Zur PCP, Mykobakteriosen, Aspergillose, CMV und pulmonalen Hypertonie finden sich in diesem Buch weiterführende Kapitel.
Unter 200 CD4-Zellen/µl ist die PCP die typische Komplikation, allerdings ist auch in diesem Stadium die bakterielle Pneumonie die häufigste pulmonale Erkrankung. Pulmonale Kaposi-Sarkome und Toxoplasma gondii-Infektionen sind selten und werden meist unter 100 CD4-Zellen/µl diagnostiziert. Unter 50 CD4-Zellen/µl treten Infektionen mit endemischen Pilzen (Histoplasma capsulatum, Coccidioides immitis), nicht-endemischen Pilzen (Aspergillus, Candida-Spezies), atypischen Mykobakterien und Viren (meist CMV) auf. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Immundefekt ist die Lungenerkrankung häufig Manifestation einer systemischen Infektion. Ein rasches, invasives diagnostisches Vorgehen ist daher bei solchen Patienten ratsam.
Welche Vorerkrankungen bestehen? Wer einmal eine PCP hatte, hat ein höheres Risiko, wieder eine zu bekommen. Hyperlipidämie und Karotisstenose: KHK?
Welche Prophylaxe nimmt der Patient? Eine regelmäßige Cotrimoxazol-Einnahme macht eine PCP unwahrscheinlich. Möglicherweise wird auch das Risiko bakterieller Pneumonien reduziert (Beck 2001). Bei Pentamidin-Inhalation ist dagegen mit atypischen, oft apikal betonten Manifestationen einer PCP zu rechnen. Wurde kürzlich mit einer ART begonnen? Die HSR unter Abacavir manifestiert sich häufig mit Dyspnoe (13 %), Husten (27 %) und Pharyngitis (13 %) (Keiser 2003). Mitunter finden sich sogar pulmonale Infiltrate. T-20 scheint, zumindest unter Rauchern, das Risiko bakterieller Pneumonien zu erhöhen. Anderseits können eine unklare Dyspnoe und Tachypnoe ohne Infiltrate auch Ausdruck einer durch NRTIs verursachten Laktatazidose sein. Pulmonale Symptome und Fieber treten auch im Rahmen eines IRIS auf (siehe AIDS-Kapitel).
Ist der Patient Raucher? Rauchen begünstigt ein lokales Immundefizit im Kompartiment Lunge mit niedrigeren alveolären CD4-Zellzahlen, niedrigeren Zytokinspiegeln (Wewers 1998) und reduzierter Phagozytosefähigkeit (Elssner 2004). Sowohl die bakterielle Pneumonie und die PCP als auch Asthma, COPD und Lungenkarzinome sind bei HIV-infizierten Rauchern häufíger (Hirschtick 1996). Eine Studie zeigte eine schlechtere Prognose unter ART auch bei rauchenden Frauen (Feldman 2006). Die Motivation zur Nikotinkarenz ist daher in der HIV-Sprechstunde eine wichtige ärztliche Aufgabe. Durch Studien belegt und Erfolg versprechend sind die Teilnahme an Motivationsgruppen, Nikotinersatz, Buproprion (Interaktionen z. B. Ritonavir!) und Vareniciclin (cave: Psyche/Suizidalität).
Woher kommt der Patient? Histoplasmose und Kokzidioidomykose sind in einigen Teilen der USA verbreiteter als die PCP, hierzulande dagegen Raritäten. In Südostasien sind Kryptokokken sehr häufig, bei afrikanischen Migranten spielt die Tuberkulose eine größere Rolle.
Welcher HIV-Ansteckungsweg liegt vor? Konsumenten intravenöser Drogen haben häufiger eine bakterielle Pneumonie oder eine Tuberkulose (Hirschtick 1995). Pulmonale Kaposi-Sarkome finden sich fast ausschließlich bei MSM. Wie sind die Beschwerden? Typischerweise haben PCP-Patienten Dyspnoe und einen nicht produktiven, trockenen Husten. Stark verfärbter Auswurf spricht eher für eine bakterielle Genese oder für Koinfektionen. Die bakterielle Pneumonie beginnt typischerweise akut, während Patienten mit PCP im Mittel schon 28 Tage Symptome verspüren bevor ein Arzt aufgesucht wird (Kovasc 1984).
Wie sieht das Röntgen-Bild aus? Siehe dazu die folgende Tabelle.
Tabelle 2: Wie sieht das Röntgen-Bild aus?
KS = Kaposi-Sarkom, PCP = Pneumocystis-Pneumonie, LIP = Lymphoide interstitielle
Pneumonie
Wichtig für die Risikostratifizierung ist neben dem üblichen CRB-65 Score (Confusion, Respiratory rate, Blood pressure, > 65 years, Lim 2003) die CD4-Zellzahl. Auch vermeintlich leicht erkrankte Patienten mit weniger als 100 CD4-Zellen/µl haben eine mehr als sechsfach erhöhte Mortalität und sollten stationär behandelt werden (Cordero 2000). Zu Erregern und Therapie siehe das AIDS-Kapitel. Die Pneumokokkenimpfung wird von der STIKO empfohlen. Bei einer CD4-Zellzahl unter 200/µl ist ein Benefit jedoch nicht bewiesen. Aufgrund der häufigen bakteriellen Sekundärinfektionen ist auch die jährliche Influenzaimpfung ratsam.
Unterhalb von 200 CD4-Zellen/µl wird primär die bronchoskopische Diagnostik empfohlen (Dalhoff 2002). Die Trefferquote liegt bei HIV-Patienten mit Lungeninfiltraten bei 55-70 % und steigt auf 89-90 %, wenn alle Techniken einschließlich der transbronchialen Biopsie kombiniert werden (Cadranel 1995). Die Sensitivität der BAL liegt bei bakteriellen Pneumonien ohne Vorbehandlung bei 60-70 %, bei PCP bei 85-100 % (Baughman 1994). Bei Verdacht auf PCP wird die transbronchiale Biopsie nur empfohlen, wenn die Erstdiagnostik negativ blieb oder die Infektion unter Prophylaxe auftrat (Dalhoff 2002).
Bei klinischem Verdacht oder schwerer Pneumonie sollte ein Legionellen-Antigentest im Urin durchgeführt werden. Ebenso haben der Kryptokokken- und Histoplasma-Antigentest im Serum einen hohen positiv prädiktiven Wert (Saag 2000). Diagnostisch wegweisend ist häufig ein Thorax-CT (high resolution, HR-CT). Eine PCP lässt sich z. B. manchmal im HR-CT, nicht aber im konventionellen Röntgen darstellen. Offene und CT-gesteuerte transthorakale Lungenbiopsien sind nur selten notwendig.
Das Spektrum der Lungenerkrankungen bei HIV-Patienten umfasst HIV-typische Komplikationen wie Tuberkulose, bakterielle Pneumonien, Lymphome und den pulmonalen Hypertonus, darüber hinaus aber auch pulmonale Jedermann-Probleme wie akute Bronchitis, Asthma, COPD und Bronchialkarzinome (Tabelle 1). Klassische Erkrankungen wie die PCP sind mit ART und Prophylaxen seltener geworden - die pulmonal bedingte Mortalität ist daher dramatisch gefallen (Grubb 2006). Die banale Bronchitis ist zwar das häufigste pulmonale Problem, insbesondere bei fortgeschrittenem Immundefekt müssen jedoch viele Differentialdiagnosen bedacht werden. Anamnestische und klinische Hinweise sind oft wegweisend.
Tabelle 1: Pulmonale Komplikationen bei Patienten mit HIV-Infektion
| Infektionen | Neoplasien | Andere |
|---|---|---|
| Pneumocystis jiroveci Bakterien S. pneumoniae S. aureus H. influenzae B. catarrhalis P. aeruginosa Rhodococcus equi Nocardia asteroides Mykobakterien M. tuberculosis Atypische Mykobakterien Andere Cytomegalovirus Aspergillus spp. Cryptococc. neoformans Histoplasma capsulatum Toxoplasma gondii |
Kaposi-Sarkom Non-Hodgkin-Lymphom Hodgkin-Lymphom Bronchialkarzinom |
Lymphozytäre interstitielle Pneumonie Unspezifische interstitielle Pneumonie Pulmonale Hypertonie COPD Bronchiale Hyperreagibilität Komplikationen unter ART Dyspnoe + Husten als Hypersensitivitätsreaktion (ABC) Dyspnoe + Tachypnoe bei Lakatatazidose Pneumonie unter T-20 Infiltrate, Lymphknoten und/oder Fieber als Immunrekonstitutionssyndrom |
Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Differentialdiagnosen bei respiratorischen Beschwerden. Zur PCP, Mykobakteriosen, Aspergillose, CMV und pulmonalen Hypertonie finden sich in diesem Buch weiterführende Kapitel.
Anamnese
Die wichtigste Frage: Wie ist der Immunstatus? Die CD4-Zellzahl ist ein exzellenter Indikator des individuellen Risikos für opportunistische Infektionen (OIs). Wichtiger als der Nadir ist die aktuelle CD4-Zellzahl. OIs sind bei CD4-Zellen über 200/µl sehr unwahrscheinlich - zu erwarten sind eher die akute Bronchitis und die bakterielle Pneumonie. Zu bedenken ist allerdings auch die Tuberkulose, da über die Hälfte der Fälle oberhalb von 200 CD4-Zellen/µl auftreten (Lange 2004, Wood 2000).Unter 200 CD4-Zellen/µl ist die PCP die typische Komplikation, allerdings ist auch in diesem Stadium die bakterielle Pneumonie die häufigste pulmonale Erkrankung. Pulmonale Kaposi-Sarkome und Toxoplasma gondii-Infektionen sind selten und werden meist unter 100 CD4-Zellen/µl diagnostiziert. Unter 50 CD4-Zellen/µl treten Infektionen mit endemischen Pilzen (Histoplasma capsulatum, Coccidioides immitis), nicht-endemischen Pilzen (Aspergillus, Candida-Spezies), atypischen Mykobakterien und Viren (meist CMV) auf. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Immundefekt ist die Lungenerkrankung häufig Manifestation einer systemischen Infektion. Ein rasches, invasives diagnostisches Vorgehen ist daher bei solchen Patienten ratsam.
Welche Vorerkrankungen bestehen? Wer einmal eine PCP hatte, hat ein höheres Risiko, wieder eine zu bekommen. Hyperlipidämie und Karotisstenose: KHK?
Welche Prophylaxe nimmt der Patient? Eine regelmäßige Cotrimoxazol-Einnahme macht eine PCP unwahrscheinlich. Möglicherweise wird auch das Risiko bakterieller Pneumonien reduziert (Beck 2001). Bei Pentamidin-Inhalation ist dagegen mit atypischen, oft apikal betonten Manifestationen einer PCP zu rechnen. Wurde kürzlich mit einer ART begonnen? Die HSR unter Abacavir manifestiert sich häufig mit Dyspnoe (13 %), Husten (27 %) und Pharyngitis (13 %) (Keiser 2003). Mitunter finden sich sogar pulmonale Infiltrate. T-20 scheint, zumindest unter Rauchern, das Risiko bakterieller Pneumonien zu erhöhen. Anderseits können eine unklare Dyspnoe und Tachypnoe ohne Infiltrate auch Ausdruck einer durch NRTIs verursachten Laktatazidose sein. Pulmonale Symptome und Fieber treten auch im Rahmen eines IRIS auf (siehe AIDS-Kapitel).
Ist der Patient Raucher? Rauchen begünstigt ein lokales Immundefizit im Kompartiment Lunge mit niedrigeren alveolären CD4-Zellzahlen, niedrigeren Zytokinspiegeln (Wewers 1998) und reduzierter Phagozytosefähigkeit (Elssner 2004). Sowohl die bakterielle Pneumonie und die PCP als auch Asthma, COPD und Lungenkarzinome sind bei HIV-infizierten Rauchern häufíger (Hirschtick 1996). Eine Studie zeigte eine schlechtere Prognose unter ART auch bei rauchenden Frauen (Feldman 2006). Die Motivation zur Nikotinkarenz ist daher in der HIV-Sprechstunde eine wichtige ärztliche Aufgabe. Durch Studien belegt und Erfolg versprechend sind die Teilnahme an Motivationsgruppen, Nikotinersatz, Buproprion (Interaktionen z. B. Ritonavir!) und Vareniciclin (cave: Psyche/Suizidalität).
Woher kommt der Patient? Histoplasmose und Kokzidioidomykose sind in einigen Teilen der USA verbreiteter als die PCP, hierzulande dagegen Raritäten. In Südostasien sind Kryptokokken sehr häufig, bei afrikanischen Migranten spielt die Tuberkulose eine größere Rolle.
Welcher HIV-Ansteckungsweg liegt vor? Konsumenten intravenöser Drogen haben häufiger eine bakterielle Pneumonie oder eine Tuberkulose (Hirschtick 1995). Pulmonale Kaposi-Sarkome finden sich fast ausschließlich bei MSM. Wie sind die Beschwerden? Typischerweise haben PCP-Patienten Dyspnoe und einen nicht produktiven, trockenen Husten. Stark verfärbter Auswurf spricht eher für eine bakterielle Genese oder für Koinfektionen. Die bakterielle Pneumonie beginnt typischerweise akut, während Patienten mit PCP im Mittel schon 28 Tage Symptome verspüren bevor ein Arzt aufgesucht wird (Kovasc 1984).
Wie sieht das Röntgen-Bild aus? Siehe dazu die folgende Tabelle.
Tabelle 2: Wie sieht das Röntgen-Bild aus?
| Röntgen Thorax | Typische Differentialdiagnose |
|---|---|
| Unauffällig | PCP, Asthma, KS der großen Atemwege |
| Fokale Infiltrate | Bakterielle Pneumonie, Mykobakteriose, Lymphome, Pilze |
| Multifokale Infiltrate | Bakterielle Pneumonie, Mykobakteriose, PCP, KS |
| Diffuse Infiltrate | PCP (zentral betont), CMV, KS, LIP, Herzinsuffizienz, Pilze |
| Miliares Bild | Mykobakteriose, Pilze |
| Pneumothorax | PCP |
| Kaverne | Mykobakteriose (CD4-Zellen > 200), Bakterieller Abszess (Staphylokokken, Pseudomonas) |
| Zyste | PCP, Pilze |
| Pleuraerguss | Bakterielle Pneumonie, Mykobakteriose, KS, Lymphom, Herzinsuffizienz |
| Bihiläre Lymphadenopathie | Mykobakteriose, KS, Sarkoidose |
Pulmonale Komplikationen
Bakterielle Pneumonien
Bakterielle Pneumonien sind bei HIV-Patienten häufiger, führen durch Narbenbildung oft zu einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion (Alison 2000) und verschlechtern die Langzeitprognose (Osmond 1999). Die Häufigkeit steigt mit zunehmender Immunsuppression - mehr als eine bakterielle Pneumonie im Jahr gilt als AIDS-definierend. Durch ART sinken die Erkrankungsraten deutlich (Jeffrey 2000). Ein symptomarmer Verlauf mit normaler Leukozytenzahl (Feldman 1999) ist bei HIV-Patienten häufiger. Unter 200 CD4-Zellen/µl kommt es vermehrt zu multifokalen und interstitiellen Verläufen bei Pneumokokkeninfektion (Rizzi 2008).Wichtig für die Risikostratifizierung ist neben dem üblichen CRB-65 Score (Confusion, Respiratory rate, Blood pressure, > 65 years, Lim 2003) die CD4-Zellzahl. Auch vermeintlich leicht erkrankte Patienten mit weniger als 100 CD4-Zellen/µl haben eine mehr als sechsfach erhöhte Mortalität und sollten stationär behandelt werden (Cordero 2000). Zu Erregern und Therapie siehe das AIDS-Kapitel. Die Pneumokokkenimpfung wird von der STIKO empfohlen. Bei einer CD4-Zellzahl unter 200/µl ist ein Benefit jedoch nicht bewiesen. Aufgrund der häufigen bakteriellen Sekundärinfektionen ist auch die jährliche Influenzaimpfung ratsam.
Welche Diagnostik ist bei pulmonalen Infiltraten sinnvoll?
Die Intensität der Diagnostik richtet sich nach dem HIV-Stadium und dem erwarteten Erregerspektrum. Bei CD4-Zellen von mehr als 200/µl ist eine kalkulierte Antibiotikatherapie gerechtfertigt. Da die Bakteriämierate mit 25-60 % höher als bei immunkompetenten Patienten liegt (Miller 1994), sollten bei stationär behandelten Patienten, vor Therapie zwei Blutkulturen und bei vorhandener Labor-Infrastruktur eine mikroskopische und kulturelle Sputumuntersuchung (evtl. inklusive Mykobakterien) durchgeführt werden.Unterhalb von 200 CD4-Zellen/µl wird primär die bronchoskopische Diagnostik empfohlen (Dalhoff 2002). Die Trefferquote liegt bei HIV-Patienten mit Lungeninfiltraten bei 55-70 % und steigt auf 89-90 %, wenn alle Techniken einschließlich der transbronchialen Biopsie kombiniert werden (Cadranel 1995). Die Sensitivität der BAL liegt bei bakteriellen Pneumonien ohne Vorbehandlung bei 60-70 %, bei PCP bei 85-100 % (Baughman 1994). Bei Verdacht auf PCP wird die transbronchiale Biopsie nur empfohlen, wenn die Erstdiagnostik negativ blieb oder die Infektion unter Prophylaxe auftrat (Dalhoff 2002).
Bei klinischem Verdacht oder schwerer Pneumonie sollte ein Legionellen-Antigentest im Urin durchgeführt werden. Ebenso haben der Kryptokokken- und Histoplasma-Antigentest im Serum einen hohen positiv prädiktiven Wert (Saag 2000). Diagnostisch wegweisend ist häufig ein Thorax-CT (high resolution, HR-CT). Eine PCP lässt sich z. B. manchmal im HR-CT, nicht aber im konventionellen Röntgen darstellen. Offene und CT-gesteuerte transthorakale Lungenbiopsien sind nur selten notwendig.
Asthma bronchiale
Eigentlich müsste, so würde man denken, eine immunsupprimierende Erkrankung wie die HIV-Infektion vor überschießender Immunreaktion wie bei Allergie und Asthma schützen. Das Gegenteil ist der Fall: In einer Studie aus Kanada an HIV-infizierten Männern hatte über die Hälfte der Befragten innerhalb der letzten 12 Monate eine Episode mit Giemen erlitten - bei knapp der Hälfte ließ sich eine bronchiale Hyperreagibilität nachweisen, die besonders ausgeprägt unter Rauchern war (Poirer 2001). Mit der Krankheitsprogression kommt es vermutlich zu einer Imbalance von zu wenig -gutem- Interferon und Interleukin-2 produzierenden Th1-Zellen und zu vielen "Allergie-vermittelnden" TH2-Zellen mit einem erhöhten Gesamt-IgE. Bei unklarem Husten, Dyspnoe oder rezidivierenden Bronchitiden sollte daher an ein hyperreagibles Bronchialsystem oder Asthma gedacht werden.Emphysem
Raucher mit HIV-Infektion entwickeln häufiger ein Lungenemphysem als Raucher ohne HIV-Infektion (Crothers 2006). Möglicherweise gibt es eine pathogenetische Synergie aus Rauchen, der pulmonalen Infiltration von zytotoxischen T-Zellen und HIV-infizierten Alveolarmakrophagen mit gesteigerter Proteasenaktivität (Diaz 2000, Yearsley 2005). Das Rauchen von Heroin oder Crack erhöht das Emphysem-Risiko durch Zerstörung oberflächlicher Epithel- und Schleimhautstrukturen. Darüber hinaus kann Crack zu ungewöhnlichen Manifestationen mit Pneumothorax oder alveolaren Infiltraten führen.Lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP)
Die LIP ist eine bei Erwachsenen sehr seltene chronisch oder subakut verlaufende Pneumonie, die radiologisch der PCP ähnelt. Üblicherweise tritt diese Erkrankung paraneoplastisch, parainfektiös bei HIV- oder EBV-Infektion oder seltener idiopathisch auf. Charakteristisch ist eine CD8-dominierte lymphozytäre Alveolitis ohne Erregernachweis, bei CD4 Zellen über 200/µl und normaler LDH (DD zur PCP). Die definitive Diagnose erfordert häufig eine offene Lungenbiopsie. Die LIP gilt als steroidsensibel. Welche Rolle eine ART spielt ist unklar, zumal die LIP auch im Rahmen der Immunrekonstitution unter ART beobachtet wird.Bronchialkarzinom
Zwei retrospektive Analysen ergaben auch in der "HAART-Ära" eine Bronchialkarzinom-Inzidenz, die um das Sechs- bis Achtfache gegenüber der rauchenden Normalbevölkerung erhöht ist (Hessol 2006). Mittlerweile erkranken mehr HIV Infizierte an einem Bronchialkarzinom als an den meisten AIDS-definierenden Malignomen (Engels 2008). Aktuelle Daten vermitteln den Eindruck, dass kein Unterschied zu HIV-negativen Erkrankten bezüglich Histologie, Therapie und Prognosen besteht (Hakimian 2007), siehe auch das Kapitel Nicht-AIDS-definierende Malignome.Seltenere opportunistische Infektionen
Der CMV-Nachweis in der BAL führt oft zu Diskussionen um die klinische Relevanz. Die Seroprävalenz ist mit über 90 % hoch, und eine Kolonisation der Atemwege ist häufig. Eine klinisch manifeste CMV-Pneumonie macht nur etwa 3,5 % der Infiltrate bei AIDS-Patienten aus. In Autopsieserien wurden allerdings in bis zu 17 % pulmonale CMV-Infektionen nachgewiesen, so dass die Bedeutung des Erregers in Spätstadien möglicherweise unterschätzt wird (Afessa 1998, Waxman 1997). Die Unterscheidung von Kolonisation und Gewebsinvasion bei Nachweis von CMV oder Aspergillen in der BAL kann nur durch transbronchiale Biopsie gesichert werden. Bei CMV-Verdacht ist der CMV-Nachweis im Blut (PCR oder Antigen) sinnvoll, das Risiko einer Infektion steigt mit Höhe der Virämie (siehe Kapitel CMV-Retinitis). Zu invasiven pulmonalen Aspergillosen, die nur im Spätstadium und üblicherweise bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren wie Neutropenie oder Steroidtherapie (Mylonakis 1998) auftreten, siehe das AIDS-Kapitel.Literatur
Afessa B, Green W, Chiao J, et al. Pulmonary complications of HIV infection: autopsy findings. Chest 1998;113:1225-1229.
Baughman R, Dohn M, Frame P. The continuing utility of bronchoalveolar lavage to diagnose opportunistic infection in AIDS patients. Am J Med 1994;97:515-522.
Beck JM, Rosen MJ, Peavy H. Pulmonary Complications of HIV. Am J Respir Crit Care Med 2001; 164: 2120-2126.
Cadranel J, Gillet-Juvin K, Antoine M, et al. Site-directed bronchoalveolar lavage and transbronchial biopsy in HIV-infected patients with pneumonia. Am J Respir Crit Care Med 1995, 152:1103-1106.
Conley LJ, Bush TJ, Buchbinder SP, et al. The association between cigarette smoking and selected HIV-related medical conditions. AIDS 1996; 10:1121-1126.
Cordero E, Pachon J, Rivero A, et al. Community-acquired bacterial pneumonia in human immunodeficiency virus-infected patients: validation of severity criteria. Am J Respir Crit Care Med 2000,162:2063-8.
Crothers K, Butt AA, Gibert CL et al. Increased COPD among HIV-positive compared to HIV-negative veterans. Chest 2006;130:1326-33.
Dalhoff K, Ewig S, Hoffken G, et al; German Pneumology Society. Recommendations for the diagnosis, therapy and prevention of pneumonia in the immunocompromised host. Pneumologie 2002, 56:807-831.
Diaz P, King M, Pacht E, et al. Increased susceptibility to pulmonary emphysema among HIV-seropositive smokers. Ann Intern Med 2000;132:369-372.
Engels EA, Biggar RJ, Hall HI, Cross H et al. Cancer risk in people infected with human immunodeficiency virus in the United States. Int J Cancer 2008, 123:187-94.
Elssner A, Carter J, Yunger T, Wewers M. HIV-1 infection does not impair human alveolar macrophage phagocytic function unless combined with cigarette smoking. Chest. 2004;125:1071-1076.
Feldman C, Glatthaar M, Morar R, et al. Bacteremic pneumococcal pneumonia in HIV-seropositive and HIV-seronegative adults. Chest. 1999;116:107-14.
Feldman JG, Minkoff H, Schneider MF et al. Association of cigarette smoking with hiv prognosis among women in the haart era: a report from the women's interagency HIV study. Am J Public Health 2006; 96: 1060-65.
Grubb JR, Moorman AC, Baker RK, Masur H. The changing spectrum of pulmonary disease in patients with HIV infection on antiretroviral therapy. AIDS 2006, 12;1095-1107.
Hakimian R, Fang H, Thomas L, Edelman MJ. Lung cancer in HIV-infected patients in the era of highly active antiretroviral therapy. J Thorac Oncol 2007, 2:268-72.
Hessol NA, Seaberg EC, Preston-Martin S et al. Cancer risk among participants in the women's interagency HIV study. J Acquir Immune Defic Syndr 2004, 36:978-85.
Hirschtick R, Glassroth J, Jordan M, et al. Bacterial pneumonia in patients with HIV infection. NEJM 1995, 333:845-51.
Keiser P, Nassar N, Skiest D, et al. Comparison of symptoms of influenza A with abacavir-associated hypersensitivity reaction. Int J STD AIDS 2003;14:478-481.
Kovacs JA, Hiemenz JW, Macher AM, et al. Pneumocystis carinii pneumonia: A comparison between patients with the AIDS and patients with other immunodeficiencies. Ann Intern Med 1984;100:663-671.
Lange C, Schaaf B, Dalhoff K. HIV and lung. Pneumologie 2004;58:416-427.
Lim WS, van der Eerden MM, Laing R, et al Defining community acquired pneumonia severity on presentation to hospital: an international derivation and validation study. Thorax 2003, 58:377-82.
Miller R, Foley N, Kessel D, et al. Community acquired lobar pneumonia in patients with HIV infection and AIDS. Thorax 1994, 49:367-368.
Morris A, Huang L, Bacchetti P, et al. Permanent declines in pulmonary function following pneumonia in HIV-infected persons. Am J Respir Crit Care Med 2000; 162: 612-616.
Mylonakis E, Barlam TF, Flanigan T, et al. Pulmonary aspergillosis and invasive disease in AIDS: review of 342 cases. Chest 1998. 114:251-262.
Osmond D, Chin D, Glassroth J, et al. Impact of bacterial pneumonia and Pneumocystis carinii pneumonia on human immunodeficiency virus disease progression. Clin Infect Dis 1999;29:536-543.
Poirier C, Inhaber N, Lalonde R, et al. Prevalence of bronchial hyperresponsiveness among HIV-infected men. Am J Respir Crit Care Med 2001; 164: 542-545.
Rizzi EB, Schininá V, Rovighi L et al. HIV-related pneumococcal lung disease: does highly active antiretroviral therapy or bacteremia modify radiologic appearance? AIDS Patient Care STDS 2008; 22:105-111.
Saag M, Graybill R, Larsen R, et al. Practice guidelines for the management of cryptococcal disease. Clin Infect Dis 2000, 30:710-718.
Shelburne SA, Visnegarwala F, Darcourt J, et al.Incidence and risk factors for immune reconstitution inflammatory syndrome during highly active antiretroviral therapy. AIDS 2005, 19:399-406.
Sullivan J, Moore R, Keruly J, et al. Effect of antiretroviral therapy on the Incidence of bacterial pneumonia in patients with advanced HIV infection. Am J Respir Crit Care Med 2000; 162: 64-67.
van der Kuyl AC, Polstra AM, van den Burg R, et al. Cytomegalovirus and human herpesvirus 8 DNA detection in peripheral blood monocytic cells of AIDS patients: correlations with the presence of Kaposi's sarcoma and CMV disease. J Med Virol 2005, 76:541-6.
Waxman A, Goldie S, Brett-Smith H, et al. Cytomegalovirus as a primary pulmonary pathogen in AIDS. Chest. 1997;111:128-134.
Wewers M, Diaz P, Wewers M, et al. Cigarette smoking in HIV infection induces a suppressive inflammatory environment in the lung. Am J Respir Crit Care Med 1998, 158:1543-49.
Wood R, Maartens G, Lombard C. Risk factors for developing tuberculosis in HIV-1-infected adults from communities with a low or very high incidence of tuberculosis. J Acquir Immune Defic Syndr 2000, 23:75-80.
Yearsley MM, Diaz PT, Knoell D, Nuovo GJ. Correlation of HIV-1 detection and histology in AIDS-associated emphysema. Diagn Mol Pathol 2005;14:48-52.
Baughman R, Dohn M, Frame P. The continuing utility of bronchoalveolar lavage to diagnose opportunistic infection in AIDS patients. Am J Med 1994;97:515-522.
Beck JM, Rosen MJ, Peavy H. Pulmonary Complications of HIV. Am J Respir Crit Care Med 2001; 164: 2120-2126.
Cadranel J, Gillet-Juvin K, Antoine M, et al. Site-directed bronchoalveolar lavage and transbronchial biopsy in HIV-infected patients with pneumonia. Am J Respir Crit Care Med 1995, 152:1103-1106.
Conley LJ, Bush TJ, Buchbinder SP, et al. The association between cigarette smoking and selected HIV-related medical conditions. AIDS 1996; 10:1121-1126.
Cordero E, Pachon J, Rivero A, et al. Community-acquired bacterial pneumonia in human immunodeficiency virus-infected patients: validation of severity criteria. Am J Respir Crit Care Med 2000,162:2063-8.
Crothers K, Butt AA, Gibert CL et al. Increased COPD among HIV-positive compared to HIV-negative veterans. Chest 2006;130:1326-33.
Dalhoff K, Ewig S, Hoffken G, et al; German Pneumology Society. Recommendations for the diagnosis, therapy and prevention of pneumonia in the immunocompromised host. Pneumologie 2002, 56:807-831.
Diaz P, King M, Pacht E, et al. Increased susceptibility to pulmonary emphysema among HIV-seropositive smokers. Ann Intern Med 2000;132:369-372.
Engels EA, Biggar RJ, Hall HI, Cross H et al. Cancer risk in people infected with human immunodeficiency virus in the United States. Int J Cancer 2008, 123:187-94.
Elssner A, Carter J, Yunger T, Wewers M. HIV-1 infection does not impair human alveolar macrophage phagocytic function unless combined with cigarette smoking. Chest. 2004;125:1071-1076.
Feldman C, Glatthaar M, Morar R, et al. Bacteremic pneumococcal pneumonia in HIV-seropositive and HIV-seronegative adults. Chest. 1999;116:107-14.
Feldman JG, Minkoff H, Schneider MF et al. Association of cigarette smoking with hiv prognosis among women in the haart era: a report from the women's interagency HIV study. Am J Public Health 2006; 96: 1060-65.
Grubb JR, Moorman AC, Baker RK, Masur H. The changing spectrum of pulmonary disease in patients with HIV infection on antiretroviral therapy. AIDS 2006, 12;1095-1107.
Hakimian R, Fang H, Thomas L, Edelman MJ. Lung cancer in HIV-infected patients in the era of highly active antiretroviral therapy. J Thorac Oncol 2007, 2:268-72.
Hessol NA, Seaberg EC, Preston-Martin S et al. Cancer risk among participants in the women's interagency HIV study. J Acquir Immune Defic Syndr 2004, 36:978-85.
Hirschtick R, Glassroth J, Jordan M, et al. Bacterial pneumonia in patients with HIV infection. NEJM 1995, 333:845-51.
Keiser P, Nassar N, Skiest D, et al. Comparison of symptoms of influenza A with abacavir-associated hypersensitivity reaction. Int J STD AIDS 2003;14:478-481.
Kovacs JA, Hiemenz JW, Macher AM, et al. Pneumocystis carinii pneumonia: A comparison between patients with the AIDS and patients with other immunodeficiencies. Ann Intern Med 1984;100:663-671.
Lange C, Schaaf B, Dalhoff K. HIV and lung. Pneumologie 2004;58:416-427.
Lim WS, van der Eerden MM, Laing R, et al Defining community acquired pneumonia severity on presentation to hospital: an international derivation and validation study. Thorax 2003, 58:377-82.
Miller R, Foley N, Kessel D, et al. Community acquired lobar pneumonia in patients with HIV infection and AIDS. Thorax 1994, 49:367-368.
Morris A, Huang L, Bacchetti P, et al. Permanent declines in pulmonary function following pneumonia in HIV-infected persons. Am J Respir Crit Care Med 2000; 162: 612-616.
Mylonakis E, Barlam TF, Flanigan T, et al. Pulmonary aspergillosis and invasive disease in AIDS: review of 342 cases. Chest 1998. 114:251-262.
Osmond D, Chin D, Glassroth J, et al. Impact of bacterial pneumonia and Pneumocystis carinii pneumonia on human immunodeficiency virus disease progression. Clin Infect Dis 1999;29:536-543.
Poirier C, Inhaber N, Lalonde R, et al. Prevalence of bronchial hyperresponsiveness among HIV-infected men. Am J Respir Crit Care Med 2001; 164: 542-545.
Rizzi EB, Schininá V, Rovighi L et al. HIV-related pneumococcal lung disease: does highly active antiretroviral therapy or bacteremia modify radiologic appearance? AIDS Patient Care STDS 2008; 22:105-111.
Saag M, Graybill R, Larsen R, et al. Practice guidelines for the management of cryptococcal disease. Clin Infect Dis 2000, 30:710-718.
Shelburne SA, Visnegarwala F, Darcourt J, et al.Incidence and risk factors for immune reconstitution inflammatory syndrome during highly active antiretroviral therapy. AIDS 2005, 19:399-406.
Sullivan J, Moore R, Keruly J, et al. Effect of antiretroviral therapy on the Incidence of bacterial pneumonia in patients with advanced HIV infection. Am J Respir Crit Care Med 2000; 162: 64-67.
van der Kuyl AC, Polstra AM, van den Burg R, et al. Cytomegalovirus and human herpesvirus 8 DNA detection in peripheral blood monocytic cells of AIDS patients: correlations with the presence of Kaposi's sarcoma and CMV disease. J Med Virol 2005, 76:541-6.
Waxman A, Goldie S, Brett-Smith H, et al. Cytomegalovirus as a primary pulmonary pathogen in AIDS. Chest. 1997;111:128-134.
Wewers M, Diaz P, Wewers M, et al. Cigarette smoking in HIV infection induces a suppressive inflammatory environment in the lung. Am J Respir Crit Care Med 1998, 158:1543-49.
Wood R, Maartens G, Lombard C. Risk factors for developing tuberculosis in HIV-1-infected adults from communities with a low or very high incidence of tuberculosis. J Acquir Immune Defic Syndr 2000, 23:75-80.
Yearsley MM, Diaz PT, Knoell D, Nuovo GJ. Correlation of HIV-1 detection and histology in AIDS-associated emphysema. Diagn Mol Pathol 2005;14:48-52.
HIV-assoziierter pulmonaler Hypertonus ← vorheriges Kapitel nächstes Kapitel → HIV und Rheumatische Erkrankungen

